Wenn du einen Satz grammatisch untersuchst, zählt nicht nur die Reihenfolge der Wörter. Die Syntax beschreibt, wie Wörter Gruppen bilden und welche Aufgabe diese Gruppen im Satz haben. So lässt sich erklären, warum manche Satzteile gemeinsam an eine andere Stelle rücken können und andere nicht.
Eine Konstituente ist eine Gruppe von Wörtern, die zusammengehört; die Bezeichnung Phrase beschreibt ihre Art und ihren Aufbau, Satzglied ihre Aufgabe im Satz. Auch die Stellung des Verbs bestimmt den Aufbau deutscher Sätze.
Sätze bestehen aus Konstituenten
Ein Satz ist mehr als eine Kette einzelner Wörter. In Die Studentin liest den Aufsatz im Seminar bilden etwa die Studentin, den Aufsatz und im Seminar jeweils zusammengehörige Einheiten. Diese Einheiten können wiederum aus kleineren Teilen bestehen: In die Studentin gehören Artikel und Nomen zusammen.
Solche Einheiten heißen Konstituenten. Wörter bilden Gruppen, und diese Gruppen können wiederum Teil größerer Gruppen oder des ganzen Satzes sein. Ein Baumdiagramm zeigt, wie die Gruppen zusammenhängen. Für eine erste Analyse reicht es oft, die Wörter in sinnvolle Gruppen einzuteilen und zu prüfen, ob sich die vermuteten Gruppen wie eine Einheit verhalten.
Konstituenten erkennen
Mit verschiedenen Tests lässt sich prüfen, welche Wörter zusammengehören. Kein einzelner Test liefert in jedem Fall ein eindeutiges Ergebnis. Prüfe deshalb nach Möglichkeit mehrere Merkmale im selben Satz.
Bei der Verschiebeprobe rückst du eine vermutete Einheit an eine andere Stelle im Satz:
- Die Studentin liest den Aufsatz im Seminar.
- Im Seminar liest die Studentin den Aufsatz.
Dass im Seminar gemeinsam ins Vorfeld gestellt werden kann, spricht dafür, dass die Wörter eine Einheit bilden. Auch den Aufsatz lässt sich verschieben: Den Aufsatz liest die Studentin im Seminar.
Die Ersatzprobe tauscht eine Wortgruppe gegen ein einzelnes Wort oder einen anderen Ausdruck aus. In Die Studentin liest den Aufsatz im Seminar können zum Beispiel die Studentin, den Aufsatz und im Seminar durch sie, ihn und dort ersetzt werden: Sie liest ihn dort.
Mit der Frageprobe lässt sich ebenfalls nach einer Einheit suchen: Auf Was liest die Studentin? passt die Antwort den Aufsatz. Die Koordinationsprobe verbindet gleichartige Einheiten, etwa in Die Studentin und der Dozent lesen den Aufsatz. Zusammen geben die Proben ein besseres Bild als eine einzelne Probe.
Ein Test kann jedoch scheitern, obwohl eine Einheit vorliegt. Manche Ausdrücke lassen sich in einem bestimmten Kontext schlecht verschieben oder erfragen. Nutze die Proben deshalb als Hinweise und achte auf den Satz als Ganzes.
Phrasen haben einen Kopf
Eine Phrase ist eine Wortgruppe, deren Wörter zusammen eine Einheit bilden. Ihr zentrales Wort heißt Kopf. Es legt fest, um welche Art von Phrase es sich handelt. Eine Phrase kann auch nur aus diesem Wort bestehen.
In das alte Haus ist Haus der Kopf der Nominalphrase, einer Phrase mit einem Nomen als Kopf. In an der alten Brücke ist an der Kopf einer Präpositionalphrase. Recht berühmt ist eine Adjektivphrase, deren Kopf das Adjektiv berühmt ist.
Der Kopf bestimmt bestimmte Eigenschaften der Phrase. Das Nomen Haus legt zum Beispiel das grammatische Geschlecht der Nominalphrase fest. Die Präposition an bestimmt in diesem Ausdruck den Kasus der folgenden Nominalphrase. So lässt sich mit dem Kopf beschreiben, wie eine Wortgruppe aufgebaut ist.
Welche Phrasentypen man unterscheidet, hängt teilweise vom Grammatikmodell ab. Bei Verbgruppen verwenden verschiedene Ansätze zum Beispiel unterschiedliche Kategorien. Gib deshalb bei einer Analyse an, welchem Modell du folgst.
Satzglieder benennen Funktionen
Ein Satzglied ist eine Konstituente, die im Satz eine bestimmte Aufgabe hat. Die Art einer Einheit und ihre Aufgabe sind zwei verschiedene Dinge: Nominalphrase benennt die Art der Einheit, Subjekt oder Objekt ihre Rolle im Satz.
Im Satz Die Studentin liest den Aufsatz im Seminar ist die Studentin eine Nominalphrase mit der Funktion Subjekt. Den Aufsatz ist ebenfalls eine Nominalphrase, hier mit der Funktion Objekt. Im Seminar ist eine Präpositionalphrase mit der Funktion Adverbial: Sie gibt an, wo das Lesen stattfindet.
Zu den häufig behandelten Satzgliedfunktionen gehören Subjekt, Objekt, Adverbial und Prädikativ. Ein Satzglied muss dabei nicht als einfache Wortgruppe auftreten. Auch ein Nebensatz kann eine solche Funktion übernehmen. In Ich weiß, dass sie den Aufsatz liest erfüllt der Nebensatz dass sie den Aufsatz liest die Objektfunktion.
Einführungen ordnen das Prädikat unterschiedlich ein. Manche traditionelle Darstellungen zählen es zu den Satzgliedern. Andere behandeln es gesondert, etwa als Verbalkomplex, also als Einheit aus Verbformen. Wenn du Satzglieder bestimmst, richte dich nach den Begriffen, die in deiner Lehrveranstaltung verwendet werden.
Das finite Verb ordnet den Satz
Im Deutschen gibt die Stellung des finiten Verbs einen ersten Hinweis auf den Satztyp. Das finite Verb ist die Verbform, die sich nach Person und Zahl des Subjekts richtet und eine Zeitform trägt, etwa Präsens oder Präteritum. In Mara liest ist liest finit; in Mara hat gelesen ist hat finit, während gelesen den zweiten Verbteil bildet.
In einem Aussagesatz steht das finite Verb typischerweise an zweiter Stelle. Gemeint ist die zweite Satzgliedposition, nicht unbedingt das zweite Wort:
- Mara liest heute den Aufsatz.
- Heute liest Mara den Aufsatz.
- Den Aufsatz liest Mara heute.
In allen drei Sätzen steht ein Satzglied vor dem finiten Verb. Dieser Platz heißt Vorfeld. Danach steht das finite Verb in der linken Satzklammer. Auf sie folgt das Mittelfeld, in dem weitere Satzglieder stehen. Eine rechte Satzklammer kann den Satzrahmen schließen. Der Platz danach heißt Nachfeld und bleibt häufig leer.
Das Stellungsfeldermodell zeigt diese Anordnung:
| Vorfeld | Linke Satzklammer | Mittelfeld | Rechte Satzklammer | Nachfeld |
|---|---|---|---|---|
| Heute | liest | Mara den Aufsatz | – | – |
| Mara | hat | den Aufsatz | gelesen | – |
Die zweite Zeile zeigt, wie zusammengesetzte Verbformen den Satzrahmen bilden: Das finite hat steht in der linken, das Partizip gelesen in der rechten Satzklammer. Auch bei trennbaren Verben können Verbteile die Klammer bilden, wie in Mara liest den Aufsatz durch.
Bei einer Entscheidungsfrage steht das finite Verb typischerweise am Satzanfang: Liest Mara den Aufsatz? Das ist ein Verberstsatz. In einem typischen Nebensatz mit weil steht das finite Verb am Ende: …, weil Mara den Aufsatz liest. Das ist ein Verbletztsatz. Das Einleitungswort weil besetzt dabei die linke Satzklammer.
Andere Satzglieder können an verschiedenen Stellen stehen, aber ihre Position ist nicht beliebig. Die Stellung des Verbs hängt vom Satztyp ab. Eine Umstellung kann außerdem einen Satzteil stärker hervorheben. Den Aufsatz liest Mara heute stellt den Aufsatz stärker in den Vordergrund als Mara liest heute den Aufsatz.
Drei Ebenen zusammen analysieren
Am Satz Heute liest die Studentin den Aufsatz im Seminar lassen sich die drei Begriffe zugleich anwenden. Die Studentin ist eine Nominalphrase und erfüllt die Subjektfunktion. Den Aufsatz ist eine Nominalphrase mit Objektfunktion. Im Seminar ist eine Präpositionalphrase mit Adverbialfunktion. Als Satzglieder stehen diese Einheiten im Mittelfeld, während Heute das Vorfeld besetzt und liest als finites Verb die linke Satzklammer bildet.
Für eine klare Analyse helfen drei Fragen: Welche Wörter bilden eine Einheit? Um welche Art von Einheit handelt es sich, und welches Wort ist ihr Kopf? Welche Aufgabe hat die Einheit in diesem Satz? Wenn du danach die Stellung des finiten Verbs bestimmst, kannst du auch den Satzbau übersichtlich beschreiben.